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Shein – schneller als Fast Fashion

Shein gilt als eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen. Das Konzept hinter diesem Modehändler ist die neusten Trends möglichst billig anzubieten. Hier werden die Schattenseiten von Fast Fashion aufgedeckt. 

Der Billigmodehändler wurde 2008 in der ostchinesischen Stadt Nanjing gegründet. Nach einem Bericht der „Wirtschaftswoche“ (06.01.2022) schätzen Experten den Jahresumsatz auf rund neun Milliarden Euro. Nach dem EHI Retail Institute in Köln stand Shein 2020 bereits auf Platzt 43 von 100 der umsatzstärksten Online Shops. In Deutschland hat der chinesische Billigmodehändler mit einem geschätzten Umsatz von 235 Millionen Euro, die Marken Nike, Zara, Adidas und C&A überholt. Shein fügt nach eigenen Angaben täglich bis zu 500 neue Produkte zum Online Shop hinzu. In einem Interview mit „Forbes“ (11.03.2020) sprach eine Mitarbeiterin von 700-1000 neuen Teilen pro Tag. Dadurch werden die Käufer zu einem Überkonsum verleitet. Im Vergleich dazu produziert der Mutterkonzern (Inditex) von Zara, Bershka und Massimo Dutti 12.000 neue Produkte pro Jahr. Diese Zahlen zeigen, dass Shein schneller als Fast Fashion ist. 

Wie kann Shein seine Mode so „ultra fast“ herstellen? 

Um das zu erklären sollte man einen Blick auf die Umstände, unter welchen die Produkte hergestellt werden, werfen. 

Unter anderem werden die Kleidungstücke in der chinesischen Hafenstadt Guangzhou in vielen verschiedenen Nähereien produziert. Die gemeinnützige Organisation „Clean Clothes Campaign“ konnte einige der Nähereien lokalisieren und mit Mitarbeitern/Mitarbeiterinnen sprechen.

Die Näher*innen müssen nach eigenen Angaben elf bis zwölf Stunden am Tag arbeiten. Sieben Tage die Woche mit einem freien Tag pro Monat. Zulieferer*innen  müssen ebenfalls bis zu 29 Tage pro Monat und elf Stunden pro Tag arbeiten. Hinzu kommt, dass es kaum formelle Arbeitsverträge für die Näher*innen und Zulieferer*innen gibt, obwohl das in China illegal ist. Es gibt weder Brandschutzvorkehrungen noch Notausgänge in den meisten Nähereien, was in China ebenfalls illegal ist. Durch fehlende Sicherheitsmaßnahmen ist es bereits an anderen Stellen zu Katastrophe gekommen. Der Einsturz der Textilfabrik Rana Plaza, 2013 in Bangladesh ist nur ein Beispiel dafür. 

Shein selbst gibt auf der eigenen Website an faire Bedingungen für Mitarbeiter herzustellen. Zudem hat der Blligmodehändler behauptet mit dem Standart SA 8000 zertifiziert zu sein. Dieser bezieht sich auf Kinder- und Zwangsarbeit und allgemeine Arbeitsbedingungen. Vergeben wird dieser Standart von der SAI (Social Accountability International). SAI gab jedoch an nie mit Shein in Kontakt gewesen zu sein. Nach Recherchen von „Reuters“ verstößt das chinesische Unternehmen gegen den „Modern Slavery Act“, welcher Zwangsarbeit von Zulieferern verhindern soll. 

Shein ist in jeder Hinsicht undurchsichtig. Es ist unklar woher zum Beispiel die Baumwolle stammt, aus welcher ein Teil der Kleidung besteht. Shein gibt  an auf den Gebrauch von Bio-Baumwolle zu achten. Auf der Website bestehen 181 Produkte aus Bio Baumwolle, welche nicht mit Hilfe von Pestiziden angebaut wurde. Ein amtliches Zertifikat dafür kann Shein jedoch nicht vorweisen. Zum Vergleich bestehen 280.263 Produkte auf SheIns Website aus konventioneller, also nicht-Bio-Baumwolle. Hinzu kommt, dass die einzelnen Kleidungsstücke oder Produkte jedes mal einzeln in einem Plastikbeutel verpackt sind. Der Großteil der erhältlichen Kleidung bei Shein besteht aus Polyester, aus Plastik. 

Shein behauptet möglichst viel recyceltes Polyester zu verwenden. Auf der Website sind 1378 Teile aus recyceltem Polyester zu finden. Zum Vergleich, 740.922 Teile bestehen aus „frischem Polyester“. Das bedeutet nur 0.18% der Kleidungsstücke bestehen aus recyceltem Polyester. 

Shein versucht ständig mit den neusten Trends mitzuhalten. Dafür klaut der Billigmode Hersteller von anderen Designern. 

In dem YouTube Video „Shein Exposed“ erzählt die Designerin Rebecca von „Snake Divine“, dass auch ihre Designs von Shein kopiert wurden. Kurze Zeit nachdem sie ihre handgemachten und nachhaltig produzierte Bekleidung veröffentlicht hatte, waren davon Kopien auf Sheins Website verfügbar. Shein hat sogar die selbst gemachten Fotos von Rebecca verwendet. 

Einen ähnlichen Vorfall betrifft auch die Marke „MaisonCléo“. Shein wollte mit der französischen Marke kooperieren, bekam jedoch eine Absage. Kurz darauf tauchten ebenfalls günstigere Kopien auf Sheins Website auf. 

„The News Zone“ berichtet von insgesamt 45 geklauten Designs. Der Diebstahl von Designs erklärt wie Shein die neusten Trends so schnell und billig anbieten kann. 

Besonders oft klaut Shein von freiberuflichen und unabhängigen Designern/Designerinnen, welche sich keinen Rechtsstreit leisten können. Es entstehen also selten bis gar nicht irgendwelche Konsequenzen für den Fast Fashion Konzern. Viele der beklauten Designer*innen setzen sich ganz eindeutig für Slow Fashion, also nachhaltig produzierte und handgemachte Bekleidung ein. 

Shein konnte in kurzer Zeit viele Große Marken, wie H&M und Zara, mit einem geschätzten Umsatz von 235 Millionen, überholen und auf der Liste der Umsatzstärksten Online Shops an Stelle 43 von 100 aufsteigen. Was neue Produkte betrifft, steht Shein ebenfalls an einer der ersten Stellen. Auf der Website werden 700-1000 neue Teile pro Tag hinzugefügt, womit andere bekannte Fast Fashion Marken wie Bershka oder Massimo Dutti ebenfalls überholt wurden. Hinzu kommt das Shein seine Produkte noch günstiger verkauft als die anderen genannten Marken. 

Um so viele neue Produkte zu geringen Preisen anbieten zu können, spart Shein an vielen Stellen.

Dazu zählen zum Beispiel die Mitarbeiter*innen, wie Näher*innen und Zulieferer/Zulieferinnen. Für lange Arbeitszeiten werden sie nicht gerecht entlohnt. In den Nähereien gibt es keine Maßnahmen um Mitarbeiter zu schützen. Außerdem lässt Shein auch Maßnahmen zum Schutz der Umwelt außer Acht. Zum Anbau der Baumwolle oder zum veredeln der Kleidung werden Umwelt- und gesundheitsschädliche Chemikalien verwendet. Viele Produkte bestehen aus Polyester und sind somit alles andere als nachhaltig. 

Um immer die neusten Trends auf Lager zu haben, bedient sich Shein an den Designs von kleinen unabhängigen Slow Fashion Designern/Designerinnen und kopiert deren nachhaltig und handgemachten Produkte.  Damit macht Shein den eigentlichen Zweck von Slow Fashion zunichte. Der Billigmode Händler beutet also nicht nur Natur und Mensch aus, sondern auch die Kreativität von Slow Fashion Designern/Designerinnen.

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